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23.02.2010, 10:53 Uhr | Westfälische Nachrichten Übersicht | Drucken
Stände bei Parteiveranstaltungen vermietet - „Politiker nicht“

Münster - Einzelgespräche mit Spitzenpolitikern hat die Junge Union (JU) auf ihrem Deutschlandtag in Münster nach eigenen Angaben nicht vermarktet - Ausstellungsflächen für Unternehmen und Verbände schon. So präsentierten sich im Oktober in der Halle Münsterland unter anderem der Rüstungskonzern EADS, das Tabakunternehmen Philip Morris, die Apothekenkette DocMorris und Firmen aus der Atomindustrie. Dabei sei es darum gegangen, den Delegierten ein Informations- und Diskussionsforum zu bieten, so Thomas Dautzenberg, Bundesgeschäftsführer der JU. Zu den Politikern, die an den Ständen vorbeigingen, zählte auch Hamburgs Regierender Bürgermeister Ole von Beust.


Im vergangenen Oktober traf sich die Junge Union in der Halle Münsterland.Foto: (Jürgen Peperhowe)
 
Mit den Einnahmen, die durch die Vermietungen abzüglich der „nicht unerheblichen Steuerlast“ erzielt wurden, wurde kein Gewinn erwirtschaftet, sondern nur ein Teil der Veranstaltungskosten gedeckt, so Dautzenberg. Zugleich räumt er ein, dass es bei der Auswahl der Unternehmen und Verbände „auch Grenzen gibt“ - und zwar dann, „wenn wir merken, dass wir als Vehikel benutzt werden sollen“.

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Dass sich Unternehmen beim Deutschlandtag präsentierten, ist kein Einzelfall. Auch bei den Landesparteitagen der CDU (2006) und der FDP (2008) in Münster - und bundesweit auch bei Treffen weiterer Parteien - gab es ähnliche Foren, berichtet Tobias Hertel, Sprecher der Halle Münsterland. Die Vermarktung der Flächen erfolgte durch die Veranstalter, die Halle habe lediglich die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt.

Dass Parteien „Untervermietungen“ vornehmen, ist laut Hertel „gängige Praxis“, um einen Teil der Kosten wieder hereinzubekommen. Und die sind nicht gering: Für ihren dreitägigen Deutschlandtag musste die Junge Union einen unteren fünfstelligen Betrag hinblättern.

Stefan Alexander Roth, münsterischer JU-Chef, räumt ein, „dass es Leute geben mag, die eine solche Vermarktung kritisch sehen“. Er selbst finde Stände von Unternehmen „nicht schlimm“: „Sie können durchaus als Informationsbörse dienen. Das heißt ja nicht, dass man automatisch umsetzt, was einem Interessenvertreter einflüstern.“
 
VON MARTIN KALITSCHKE, MÜNSTER
 



aktualisiert von Stefan-Alexander Roth, 23.02.2010, 10:55 Uhr


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